Manchmal beginnt die Anschaffung eines Küchengeräts mit etwas völlig anderem.
Bei mir war es eine angebrochene Packung Maismehl, die schon längere Zeit zu Hause herumstand. Wegwerfen wollte ich sie auf keinen Fall und irgendwann kam mir die Idee, daraus einfach selbst Tortillas zu machen.
Ich ging zunächst davon aus, dass Maismehl eben Maismehl ist und genau dafür verwendet wird.
So einfach war es dann allerdings nicht.
Erst durch das falsche Maismehl bin ich überhaupt bei Tortillas gelandet
Mein vorhandenes Maismehl war normales Maismehl zum Backen.
Für klassische Maistortillas benötigt man dagegen spezielles nixtamalisiertes Tortilla-Maismehl.
Damit war mein ursprünglicher Plan zwar erst einmal dahin, gleichzeitig hatte mich das Thema aber gepackt.
Also besorgte ich mir das richtige Mehl und probierte selbstgemachte Tortillas aus.
Und dafür brauchte ich anfangs überhaupt keine Tortillapresse.
Meine erste Tortillapresse war eine Glasauflaufform
Irgendwo hatte ich gesehen, dass man den Teig auch einfach mit einer schweren Glasauflaufform flachdrücken kann.
Das funktionierte erstaunlich gut.
Die Teigkugel kommt zwischen eine aufgeschnittene Frischhaltetüte, anschließend wird die Glasform von oben daraufgedrückt.
Das Glas hat dabei sogar einen kleinen Vorteil: Man kann während des Pressens sehen, wie groß und rund die Tortilla bereits geworden ist.
Für ein paar Tortillas würde ich deshalb bis heute nicht behaupten, dass man zwingend eine richtige Presse braucht.
Das Problem kam bei mir erst mit der Menge.
Wenn mehrere Personen satt werden sollen, braucht man entsprechend viele Tortillas. Dann merkt man irgendwann ziemlich deutlich, wie oft man die Glasform ansetzen, drücken und gegebenenfalls noch einmal nacharbeiten muss.
Und damit begann ich ernsthaft über eine richtige Presse nachzudenken.
Mein erster Versuch mit einer Bambuspresse hat mich nicht überzeugt
Meine erste richtige Tortillapresse bestand aus Bambus.
Die Idee gefiel mir eigentlich sehr gut. Ich habe auch andere Küchenutensilien aus Bambus und optisch machte die Presse zunächst einen ordentlichen Eindruck.
Beim ersten richtigen Einsatz merkte ich allerdings schnell, dass sie für meine Anforderungen nicht die richtige Wahl war.
Schon beim relativ weichen Tortillateig musste ich deutlich mehr Kraft aufbringen, als ich erwartet hatte.
Vor allem der Hebel machte mir dabei wenig Vertrauen.
Unter stärkerem Druck knarzte die Konstruktion deutlich und für mich war ziemlich schnell klar, dass ich damit meine geplanten Burger-Patties gar nicht erst ausprobieren wollte.
Bei Tortillas hätte ich sie wahrscheinlich verwenden können.
Ich wollte aber eine Presse, bei der ich nicht jedes Mal darüber nachdenken muss, wie viel Belastung ich dem Hebel gerade zumute.
Die Bambuspresse ging deshalb wieder zurück.
Danach habe ich genau die Presse gekauft, die ich eigentlich von Anfang an wollte
Meine heutige Presse besteht aus massivem Gusseisen.
Sie hat eine Pressfläche von ungefähr 20 Zentimetern und wiegt rund 2,9 Kilogramm.
Und genau dieses Gewicht ist für mich einer ihrer größten Vorteile.
Bei der Bambuspresse musste ich selbst einen erheblichen Teil der Kraft aufbringen.
Bei der Gusseisenpresse erledigt bereits das Eigengewicht einen großen Teil der Arbeit.
Ich lege den Deckel herunter und häufig ist der Teig damit schon fast so weit gepresst, wie ich ihn haben möchte.
Danach reicht nur noch relativ wenig zusätzlicher Druck.
Der Unterschied ist gewaltig.
Gerade die massive Bauweise macht für mich den Unterschied
Die komplette Presse wirkt sehr solide.
Das Gusseisen hat natürlich die für dieses Material typischen etwas raueren Stellen, aber bei meiner Arbeitsweise stört mich das überhaupt nicht.
Meine Lebensmittel liegen ohnehin nicht direkt auf der Pressfläche.
Das Scharnier ist stabil, der Hebel sitzt ordentlich und wackelt bei meiner Presse nicht herum.
Interessant fand ich auch, dass für die Befestigung des Hebels direkt ein zweiter Ersatzstift beziehungsweise eine Ersatzschraube beilag.
Gerade diese Stelle muss beim Pressen einen großen Teil der Hebelkräfte aufnehmen.
Ob ich das Ersatzteil jemals benötige, wird sich zeigen. Ich finde es aber sinnvoll, dass es direkt dabei war.
Zu viel Kraft ist bei Gusseisen eher das Problem
Die ersten Versuche mit einer so schweren Presse können sogar in die andere Richtung gehen.
Bei meiner ersten Verwendung dachte ich noch, ich müsste den Hebel richtig kräftig herunterdrücken.
Das Ergebnis war entsprechend.
Die Tortilla beziehungsweise später auch ein Burger-Patty wurde derart dünn, dass ich das Ganze kaum noch vernünftig von der Folie bekam.
Gerade beim Fleisch war das Patty schließlich so dünn, dass es beim Ablösen auseinanderbrechen konnte.
Man muss also zunächst ein Gefühl dafür entwickeln, wie wenig Kraft eigentlich notwendig ist.
Diese Lernphase ist allerdings ziemlich kurz.
Nach einigen Versuchen wusste ich, wie weit ich drücken muss.
Danach geht das Pressen tatsächlich innerhalb weniger Sekunden.
Bei meiner Presse muss die Teigkugel möglichst mittig liegen
Eine Eigenart gibt es bei meiner Presse trotzdem.
Durch die Scharnierkonstruktion wird näher am Scharnier etwas stärker beziehungsweise dünner gepresst als weiter vorne.
Wenn die Teigkugel exakt mittig liegt und ich nicht unnötig stark drücke, gleicht sich das bei mir normalerweise ausreichend aus.
Falls eine Tortilla oder ein Patty doch einmal sichtbar ungleichmäßig geworden ist, drehe ich es einfach um 180 Grad und presse noch einmal ganz leicht nach.
Damit bekomme ich die Dicke sehr gleichmäßig hin.
Das empfinde ich nicht als großes Problem, aber man sollte diese Eigenheit kennen.
Auch hier hilft einfach etwas Übung.
Für meine Tortillas verwende ich eine aufgeschnittene Frischhaltetüte
Die vorbereiteten Teigstücke forme ich zunächst zu Kugeln.
Zum Pressen verwende ich eine Frischhaltetüte, die ich an den Seiten aufgeschnitten habe, sodass der Teig zwischen zwei Kunststoffflächen liegt.
Die Kugel kommt möglichst mittig hinein und wird anschließend gepresst.
Meine Tortillas nutzen dabei nicht die komplette 20-Zentimeter-Fläche der Presse aus. Sie bleiben etwas kleiner, was für meine Verwendung genau richtig ist.
Auch das Ablösen von der Tüte braucht anfangs ein wenig Gefühl.
Der rohe Tortillateig ist relativ empfindlich. Wenn ich zu dünn gepresst habe oder die verwendete Tüte nach mehreren Tortillas etwas stärker klebt, kann auch einmal eine Tortilla einreißen.
Das ist mir am Anfang durchaus passiert und kommt gelegentlich auch heute noch vor.
Dann wird aus dem Teig eben wieder eine Kugel und ich presse ihn noch einmal.
Mit zunehmender Routine passiert das allerdings immer seltener.
Bei großen Mengen zeigt die Presse erst richtig, was sie kann
Wenn ich nur vier oder fünf Tortillas machen würde, könnte ich problemlos weiterhin meine Glasauflaufform nehmen.
Bei größeren Mengen sieht das anders aus.
Dann möchte ich nicht jede Portion mehrfach mit einer schweren Form bearbeiten.
Bei der Gusseisenpresse geht die Bewegung irgendwann praktisch automatisch:
Teig hinein, Deckel herunter, kurz drücken, herausnehmen, nächste Kugel.
Gerade wenn viele Tortillas benötigt werden, summiert sich diese Zeitersparnis ziemlich schnell.
Das Gleiche habe ich anschließend bei meinen Burger-Patties gemerkt.
Für meine Burger-Patties ist die Presse fast noch praktischer
Meine Patties habe ich schon auf verschiedene Arten vorgeformt.
Unter anderem habe ich dafür ebenfalls eine Glasauflaufform verwendet.
Früher habe ich sie außerdem mit einem schweren Holz-Schneidebrett flachgedrückt.
Das funktioniert grundsätzlich.
Beim Schneidebrett musste ich allerdings immer wieder an verschiedenen Stellen nachdrücken, damit das Patty möglichst gleichmäßig dünn wurde.
Bei größeren Mengen kostet das entsprechend Zeit.
Mit der Tortillapresse ist das ein völlig anderer Arbeitsablauf.
Heute reichen mir 50 Gramm Hackfleisch pro Patty
Früher habe ich häufig ungefähr 100 Gramm schwere Patties gemacht.
Mit meinen improvisierten Methoden konnte ich kleinere Fleischportionen nicht so bequem auf die für meine Burgerbrötchen gewünschte Fläche bringen.
Mit der Gusseisenpresse funktioniert das wesentlich einfacher.
Heute forme ich aus 50 Gramm Hackfleisch jeweils eine Kugel und presse daraus ein sehr dünnes Patty.
Damit brauche ich nur ungefähr die Hälfte der Fleischmenge pro Patty und bekomme trotzdem eine für meine Brioche-Brötchen passende Größe.
Gerade wenn ich über zwanzig Burger vorbereite, macht sich dieser Unterschied natürlich deutlich bemerkbar.
Meine Smashburger werden bereits vor dem Grillen komplett gepresst
Bei klassischen Smashburgern wird die Fleischkugel normalerweise erst auf der heißen Grillfläche kräftig heruntergedrückt.
Ich mache das schon seit Jahren anders.
Meine Patties werden bereits vorher vollständig dünn geformt und gewürzt.
Später kommen sie auf die heiße Plancha und müssen dort nur noch kräftig angebraten werden.
Mir ist bewusst, dass dadurch der klassische Smash-Vorgang direkt auf der Grillfläche entfällt.
Für meinen Ablauf funktioniert diese Variante aber hervorragend.
Vor allem bei großen Mengen spare ich dadurch sehr viel Zeit.
Wenn 20 oder mehr Burger gemacht werden sollen, möchte ich nicht jedes einzelne Patty während des Grillens noch formen und würzen müssen.
Ich erledige diese Arbeit vorher in Ruhe.
Mit Backpapier lassen sich die fertigen Patties problemlos stapeln
Beim Pressen benutze ich wieder meine aufgeschnittene Frischhaltetüte.
Zusätzlich bereite ich kleine quadratische Stücke Backpapier vor.
Unter jede Fleischkugel kommt ein Stück davon.
Nach dem Pressen kann ich das Patty zusammen mit dem Backpapier von der Folie lösen und direkt mit den nächsten Patties stapeln.
Zwischen jedem Patty liegt dadurch eine Lage Papier.
So kleben sie nicht aneinander.
Wenn alle fertig sind, decke ich sie ab und stelle sie bis zum Grillen in den Kühlschrank.
Bei 24 Patties macht sich die Tortillapresse für mich besonders bezahlt.
Sind die einzelnen Fleischkugeln erst einmal abgewogen, läuft das Pressen anschließend in einem sehr schnellen Rhythmus ab.
Meine älteren Videos zeigen noch meine vorherigen Lösungen
In meinem älteren Video zu den Smashburgern arbeite ich noch mit der Glasauflaufform.
Das zeigt ziemlich gut, wie ich meine Patties bereits damals komplett vor dem Grillen vorbereitet habe.
Auch bei meinen selbstgemachten Tortillas ist noch nicht meine heutige Gusseisenpresse zu sehen. Dort benutze ich die Bambuspresse, die ich später wieder zurückgegeben habe.
Meine neueren Aufnahmen mit der Gusseisenpresse sind bereits entstanden, aber noch nicht veröffentlicht.
Sobald die entsprechenden Videos online sind, kann ich die Verlinkungen später ergänzen.
Die Reinigung hält sich bei meiner Arbeitsweise stark in Grenzen
Da meine Tortillas und Burger-Patties zwischen einer aufgeschnittenen Frischhaltetüte liegen, kommt die Presse normalerweise kaum direkt mit den Lebensmitteln in Berührung.
Komplett vermeiden lässt sich das natürlich nicht.
Wenn beispielsweise etwas Tortillateig an das Gusseisen gelangt, entferne ich die Rückstände sorgfältig.
Anschließend bekommt die betreffende Fläche bei Bedarf wieder einen ganz leichten Ölfilm.
Die Presse war bereits vorbehandelt beziehungsweise eingebrannt und ich behandle sie grundsätzlich so, wie ich auch mit anderen gusseisernen Gegenständen umgehe: sauber und vor allem trocken lagern und nur sehr sparsam einölen.
Durch die Folienmethode ist der tatsächliche Reinigungsaufwand bei mir aber ausgesprochen gering.
Einen wirklichen Nachteil sehe ich für meinen Einsatzzweck bisher kaum
Natürlich wiegt die Presse fast drei Kilogramm.
Aber genau dieses Gewicht ist der Grund, warum sie so gut funktioniert.
Deshalb würde ich das für mich nicht als Nachteil bezeichnen.
Auch beim Verstauen habe ich kein großes Problem damit.
Nach der Benutzung kommt die Presse bei mir wieder in die Luftpolsterfolie, in der sie geliefert wurde. Über den Griff ziehe ich zusätzlich wieder die Schutzpolsterung und anschließend landet sie trocken im Kellerregal.
Die kurze Eingewöhnung an die richtige Druckstärke gehört für mich ebenfalls nicht zu den Schwächen des Geräts.
Bei fast jedem Küchenwerkzeug muss man erst einmal herausfinden, wie es sich am besten bedienen lässt.
In Zukunft möchte ich noch weitere Einsatzmöglichkeiten ausprobieren
Tortillas und Burger-Patties waren ursprünglich die beiden Aufgaben, für die ich die Presse gekauft habe.
Inzwischen sehe ich aber immer wieder weitere Möglichkeiten.
Vor Kurzem habe ich beispielsweise ein Video gesehen, in dem jemand Hähnchenbrust-Innenfilets mit einer Tortillapresse zu kleinen Mini-Schnitzeln plattgedrückt hat.
Gerade diese kleinen, zarten Innenfilets eignen sich dafür offenbar sehr gut, weil sie sich schnell und gleichmäßig flach drücken lassen.
Das möchte ich selbst ausprobieren.
Ob das für meinen Arbeitsablauf tatsächlich einen Vorteil bringt, werde ich erst nach dem eigenen Test beurteilen.
Genau solche Anwendungen finde ich aber interessant.
Das Grundprinzip der Presse ist schließlich extrem simpel: viel Gewicht, eine große Fläche und eine starke Hebelwirkung.
Wenn ich eine Küchenaufgabe entdecke, bei der genau diese Eigenschaften helfen könnten, werde ich sie ausprobieren.
Braucht man überhaupt eine Tortillapresse?
Nicht unbedingt.
Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Wer gelegentlich fünf Tortillas oder ein paar Burger-Patties macht, kann dafür auch eine schwere Glasauflaufform, einen Topf oder ein stabiles Schneidebrett verwenden.
Das funktioniert.
Interessant wird eine richtige Presse für mich vor allem dann, wenn regelmäßig größere Mengen vorbereitet werden.
Bei 20 oder mehr Patties oder einer ganzen Ladung Tortillas möchte ich heute nicht mehr jede Portion mühsam mit einer improvisierten Lösung bearbeiten.
Dann macht sich die Geschwindigkeit der Gusseisenpresse deutlich bemerkbar.
Mein Fazit nach den ersten Monaten
Meine gusseiserne Tortillapresse gehört noch nicht zu den Küchengeräten, die ich seit vielen Jahren benutze.
Ich habe sie erst seit einigen Monaten.
Trotzdem weiß ich inzwischen ziemlich genau, warum ich bei diesem Gerät schließlich bei Gusseisen gelandet bin.
Mit der Glasauflaufform konnte ich bereits gute Ergebnisse erzielen. Bei kleinen Mengen würde mir diese Lösung wahrscheinlich sogar weiterhin reichen.
Die Bambuspresse war für meine Anforderungen dagegen zu leicht und vermittelte mir unter stärkerer Belastung nicht die Robustheit, die ich gesucht hatte.
Mit der schweren Gusseisenpresse bekomme ich genau das, was ich wollte: sehr wenig Kraftaufwand, schnelle Arbeitsabläufe und vor allem bei größeren Mengen eine enorme Zeitersparnis.
Wenn ich heute noch einmal von vorne anfangen würde und wüsste, wie häufig ich größere Mengen Tortillas oder Burger-Patties vorbereite, würde ich deshalb direkt zur massiven Gusseisenvariante greifen.